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" Zug Kork ist abgefahren"
Die Erfahrung hat auch Peter Jost in Bacharach gemacht. Er baut seine Reben im Bacharacher Hahn und dem Rheingau an. Seine Kunden und die Sommeliers fragen gezielt nach dem Drehverschluss. Für Weinkenner steht die Weinqualität im Vordergrund. Jost vom Hahnenhof macht klar: "Der Zug Kork ist abgefahren. Es sei denn, der Publikumsgeschmack ändert sich." Doch ganz hat er den Naturkork noch nicht aus seinem Keller verbannt.
Einen kleinen Teil seiner Rotweine verschließt er so. Aber da versucht er das Risiko zu minimieren, indem er drei Korklieferanten nutzt. Für seine hohen Weißwein-Qualitäten verwendet er jedoch nur den Drehverschluss. Die Rieslingweine, die er zu 80 Prozent auf seinen Rebflächen bestockt hat, seien zu zart, zu feingliedrig, als dass er auch nur den Anflug von Kork tolerieren würde.
Er arbeitet überwiegend mit dem Schraubverschluss, "Plastikstopfen" ist für ihn die "schlechteste Variante" - außer der Wein würde stehend gelagert und nach vier Wochen getrunken. Doch viele Winzer gehen noch diesen Kompromiss ein, weil die Umstellung mit hohen Investitionen verbunden ist. Ihn über Lohnabfüller auf die Flasche zu bringen, macht den Weinbauern zu unflexibel, heißt es durchweg. Schließlich wolle man den Wein dann auf die Flasche ziehen, wenn er reif dafür ist. Doch die Termine mit den Lohnabfüllern müssen Wochen im Voraus festgelegt werden.
Walter Perll junior aus Boppard arbeitet zu 80 bis 85 Prozent mit Naturkorken. Kunststoff verwendet er für die Weine, die "schnell verkauft und getrunken werden. Der eignet sich einfach nicht für die lange Lagerung", meint der Bopparder. Perll überlegt, ob er nicht auf Schraubverschluss umsteigt. "Einziges Problem: die Investitionen." Der Weinbauer macht es wie sein Kollege Jost und füllt die besseren Weine teils, teils ab - um das Naturkork-Risiko klein zu halten. Eine ähnliche Philosophie vertritt Florian Weingart in Spay. Er arbeitet sowohl mit Naturkorken als auch mit Kunststoff-Stopfen. Er gibt zu: "Ich bin nicht ganz glücklich damit. Ich hätte auch den Drehverschluss bevorzugt." Doch er füllt seine Weine ausschließlich in der traditionellen braunen Schlegelflasche ab, die "noch" für alle Verschlusssysteme hergestellt wird. Der Drehverschluss kommt hier erst in ein, zwei Jahren auf den Markt. Die gehobenen Qualitäten verschließt er mit Naturkork, für die übrigen Weine verwendet er einen Kunststoff der "absolut geschmacksneutral ist".
Ähnlich verfährt Matthias Müller in Spay: Für die Qualitäts-und Kabinettweine, die frisch getrunken werden, nimmt er einen Kunststoff-Stopfen, der sechs Jahre Garantie gibt. Naturkork verwendet er für seine hochwertigen Weine. Doch der Spayer "denkt jedes Jahr neu".
Gerhard Lambrich vom Weingut Goswin Lambrich in Dellhofen ist einen Schritt weiter: "Seit 2008 schrauben wir nur noch", sagt er. Allerdings bedeutet das, dass man die Maschinen sehr exakt einstellen muss, um das Problem der "Ausläufer" auszuschalten. 16 Hektar bewirtschaftet er - unter anderem am Oelsberg. Nur noch der Spätburgunder Rotwein und Weine im Barrique-Ausbau werden bei ihm mit Naturkorken verschlossen. "Heute haben Sie Weine im Edelstahltank, die glasklar jede Note des Weinausbaus verraten. Die geben jede Nuance des Korkens wieder."
Jens Didinger aus Osterspai hat seine 4,5 Hektar in den Einzellagen Fässerlay, Feuerlay und Mandelstein im Bopparder Hamm mit den Weißweinsorten Riesling (80 Prozent), Müller-Thurgau und Kerner sowie mit den Rotweinsorten Spätburgunder und Dornfelder bestockt. Schrauber wären auch für ihn eine Überlegung wert, doch das kann seine Maschine nicht. So splittet er seine Produktion: Bis Kabinett geht er mit Kunststoffkorken auf den Markt, die höheren Qualitäten füllt er mit Naturkorken ab: "Kork ist super, wenn er funktioniert", sagt er.


Als Weinbaupräsident Mittelrhein weiß Gerhard Lambrich, wie hart die Winzer mit sich ringen. Auch er ist über die Drehverschluss-Akzeptanz beim Kunden froh: "Die Zeit ist reif. Vor zehn Jahren war der Schrauber nicht durchsetzbar, aber heute geht der Verbraucher mit."    Andrea Djifroudi

RZ-Online Artikelarchiv vom 12.05.2009

Korkenzieher bleibt immer öfter in Schublade

Die Winzer vom Mittelrhein sehen in dem Schraubschluss den heimlichen Trendsetter, um die modernen filigranen Weine optimal zu verschließen
Feingliedrig, frisch, filigran - so schmecken moderne Weißweine vom Mittelrhein. Monatelange harte Arbeit im Weinberg und im Keller stecken dahinter. Und die wollen sich die Winzer nicht kaputt machen lassen. Jedenfalls nicht durch den "falschen" Verschluss.
MITTELRHEIN. Wer sich mit Rudolf Schoeneberger unterhält, hat das Gefühl: Dem Mann ist ein Stein vom Herzen gefallen. Seit vier Wochen hat er die Lese 2008 in Flaschen abgefüllt und im Verkauf. Drei Jahre hat er gewartet, getestet und die Entwicklung der Verschlüsse beobachtet. Dann hat er sich eine neue Abfüllanlage gekauft.
Keine leichte Entscheidung. Das wissen auch viele seiner Kollegen. In jedem Fall gibt es nun den jüngsten Jahrgang aus dem Hause "Heilig Grab" in Boppard nur noch mit Schraubverschluss: "Mit dem Naturkork gab es zu viele Probleme." Doch jetzt ist der Chef von Boppards ältester Weinstube froh: "Die Akzeptanz ist sehr positiv." Denn unter Weinliebhabern hat sich längst herumgesprochen, dass eine verschraubte Flasche nicht schlecht sein muss - im Gegenteil.