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Besonderer Name, besondere Weine.

In einer stilleren Seitengasse liest man zu Boppard die Wirtshausbezeichnung "Heilig Grab", für eine Weinstube ein gar seltsamer Name, selbst wenn man an die verschiedenen Darstellungen denken wollte, die in einigen Moselorten Christus drastisch in der Kelter zeigen. Wie kam es zu der Benennung "Heilig Grab"? Da müssen wir weit über hundert Jahre in der Geschichte zurückgehen.Bekanntlich findet in der katholischen Kirche am Karfreitag keine eigentliche  hl. Messe statt. Vielmehr enthüllt und verehrt der Priester den Corpus Christi in besonderer Weise. Am Schluß trägt er das Kreuz zu einem Nebenaltar oder in eine Seitenkapelle, wo es auf den Boden gelegt und im Laufe des Tages von den Gläubigen besucht und verehrt wird. Das nennt man zum hl. Grabe gehen. In Boppard geschah das, altem Brauch entsprechend, in der Karmeliterklosterkirche am Rhein, einem interessanten gotischen, turmlosen Bauwerk, das heute noch zu einem lohnenswerten Besuch einlädt.Es war üblich, daß sich am Frühnachmittag des Karfreitages die Jugend, nachher die Frauen und nach der Arbeit des Tages die Männer für eine kürzere oder längere Andacht hier einfanden.
Nun hatte sich unweit des Gotteshauses eine Weinstube aufgetan, die durch ihre guten und preiswerten Schoppen bald allgemein bekannt wurde. Wieder nahte die Karwoche, wieder der traditionelle Gang zum "Heilig Grab". Merkwürdig dünkte es den wackeren Bopparderinnen, daß sich diesmal ihre Gatten erst reichlich spät zum Abendbrot einstellten. Auf die Frage nach dem Verbleib antworteten diese verabredungsgemäß: "Ei, am Heilig Grab! Man kann doch einmal etwas länger beten."Gar bald aber hatten die Töchter Evas herausgefunden, daß der Besuch am Heilig Grab nur kurz, um so länger aber das sogenannte "Gebet" in der nahen Weinstube gewesen war. Wenn nun in Zukunft der liebe Mann etwas später als gewöhnlich nach Hause kam, mußte er von seiner Herzallerliebsten hören: "Du bist sicher wieder im "Heilig Grab" gewesen?" Die Bezeichnung blieb von jetzt ab an der Weinstube haften, und diese behielt sie im Volksmunde auch dann, als ihr Besitzer sie in eine von Hochwasser weniger gefährdete Straße nahe dem Bahnhof verlegte.